Geruchsstörungen beeinträchtigen nicht nur massiv die Lebensqualität der Patienten; sie können auch für die Betroffenen lebensgefährlich werden, wenn beispielsweise Gas oder Rauch erkannt werden.
Ursachen von Geruchsstörungen
Geruchsstörungen werden unterschieden in sinunasale und nicht-sinunasale Störungen.
Unter sinunasal werden die Formen der Störungen zusammengefasst, bei denen die Ursachen durch Erkrankungen der Nase bzw. der Nasennebenhöhlen entstehen. Hier entsteht die Geruchsstörungen als Folge von Veränderungen im Respirationstrakt.
Bei den nicht-sinunasalen Ursachen steht die nachhaltige Schädigung des olfaktorischen Systems (Riechepithel, Riechbahn) im Vordergrund.
Sinunasale Geruchsstörungen (Störungen in Nase und Nasennebenhöhlen)
Ursächlich sind entzündliche und nicht entzündliche Veränderungen, die den Dufttransport zur Riechspalte in der Nase stören oder die Riechschleimhaut unmittelbar schädigen. Die sinunasalen Geruchsstörungen sind die häufigsten im HNO-Bereich.
Entzündliche Störungen teilen sich auf in:
- infektiöse Störungen (im Rahmen von chronischen oder chronisch rezidivierenden Rhinosinusitiden) sowie
- nicht infektiöse Störungen (Allergien, hyperplastische Rhinosinusitis, postirritativ- toxisch oder postinfektiös).
Die nichtentzündlichen sinunasalen Geruchsstörungen teilen sich auf in:
- anatomische Ursachen (z.B. intranasale Raumforderungen = Raumforderungen innerhalb der Nase, Stenosen = Verengungen, Septumdeviationen = Nasenscheidewandkrümmungen) sowie
- nicht-anatomische Ursachen (z.B. durch Arzneimittelnebenwirkung bedingte Hyperreaktivität der Nasenschleimhaut)
Nicht sinunasale Geruchsstörungen
Die Ursache ist meist eine primäre Schädigung des Riechapparates (Riechepithel und/oder Riechbahn).
Die nicht sinunasalen Geruchsstörungen teilen sich auf in:
- postvirale Ursachen
Eine postvirale Ursache liegt vor, wenn die Geruchsstörung mit engem zeitlichen Zusammenhang zu einem viralen Infekt der oberen Atemwege eintrat und ein symptomloses Intervall zwischen Ende des Infekts und dem Auftreten der Geruchsstörung fehlt. Die postviralen Geruchsstörungen sind nach den sinunasalen die zweithäufigsten im HNO-Bereich.
- posttraumatische Ursachen (z.B. nach einem Kopftrauma)
- toxische Ursachen (z.B. CO, Formaldehyd, Medikamentennebenwirkung)
- internistische, neurologische oder psychiatrische Ursachen
Bei Morbus Alzheimer sind Geruchsstörungen häufig. Besonders das Identifikationsvermögen von Gerüchen ist gestört. Die Geruchsstörung kann bereits vor den für Alzheimer typischen kognitiven Störungen und Verhaltensveränderungen auftreten und so auf den Beginn der Erkrankung hinweisen. 80–90% der Patienten mit idiopathischem Morbus Parkinson haben ebenfalls eine Geruchsstörung.
- angeborene Ursachen (z.B. Kallmann-Syndrom, isolierte angeborene Anosmie) sind extrem selten
- idiopathische Ursachen
Kann eine Geruchsstörung keiner der oben genannten Kategorien zugeordnet werden, gilt sie als idiopathisch.
Einteilung der Geruchsstörungen nach Quantität und Qualität
Einteilung nach der Quantität
- Hyperosmie = Überempfindlichkeit
- Normosmie = normale Empfindlichkeit
- Hyposmie = verminderte Empfindlichkeit
- Anosmie = vollständiger Verlust des Riechvermögens
Einteilung nach der Qualität
- Parosmie = veränderte Geruchswahrnehmung in Gegenwart einer Reizquelle
- Phantosmie = Geruchswahrnehmung in Abwesendheit einer Reizquelle
- Agnosmie = wahrgenommene Gerüche können nicht erkannt werden
Gezielte Diagnostik
Anamnese
In unserer HNO-Praxis in Hamburg Langenhorn führen wir am Anfang der Diagnostik eine ausführliche Anamnese im Hinblick auf die Ursachen, Auftreten und Verlauf der Geruchsstörungen (auslösende Ereignisse, zeitliche Entwicklung, begleitende Symptome, relevante Erkrankungen, Operationen, Medikamente, Noxen) durch.
HNO-Spiegeluntersuchungen sowie Endoskopie
Obligater Bestandteil der Basisdiagnostik ist die HNO-ärztliche Untersuchung von Nase, Mund, Rachen sowie Kehlkopf. Von besonderer Bedeutung ist die Endoskopie der Nase inklusive Beurteilung der Riechspalte.
Bildgebende Verfahren
Computertomografie
Ergibt die Endoskopie keinen Hinweis auf eine Transportstörung von Duftstoffmolekülen zur intakten Riechschleimhaut und liegen keine anderen als ursächlich anzusehende Ereignisse (z.B. Traumen, Schnupfen oder grippale Infekte) vor, so sollte eine koronare Computertomografie der Nasennebenhöhlen durchgeführt werden.
Magnetresonanztomografie
Bei Verdacht auf eine zerebrale Raumforderung oder angeborene Anosmie ist eine Magnetresonanztomografie angezeigt.
Screening-Test
Zur quantitativen Feststellung einer Geruchsstörung führen wir einen Screening-Test durch. Durch umfangreiche Normdaten lässt sich bei diesem Identifikationstest eine Geruchsstörung in Anosmie, Hyposmie, Hyperosmie sowie Normosmie einteilen. Bei diesem Test bieten wir dem Patienten eine Testbatterie von Duftstoffen unter die Nase an, sodass er dann seinen Riecheindruck angeben muss.
Für spezielle Fragestellungen steht als objektive Methode die Messung olfaktorisch evozierter Potenziale in einigen Zentren zur Verfügung.
