Geschmacksstörung

Geschmacksstörung Geschmacksstörung

Genauso wie Geruchsstörungen beeinträchtigen Geschmacksstörungen (Dysgeusien) teilweise massiv die Lebensqualität der Patienten; auch die Geschmacksstörungen können wie die Geruchsstörungen für die Betroffenen lebensgefährlich werden, wenn beispielsweise verdorbene Nahrungsmittel nicht erkannt werden.  
Geschmacksstörungen werden eingeteilt nach der Quantität und Qualität sowie nach ihrem Ursprung. Nach dem Ursprung unterscheidet man epithelial, nerval und zentral bedingte Geschmacksstörungen.


Einteilung der Geschmacksstörungen nach Quantität und Qualität

Einteilung nach der Quantität
  • Hypergeusie (erhöhte Geschmackempfindlichkeit)
  • Normogeusie (normale Geschmackempfindlichkeit)
  • Hypogeusie (verminderte Geschmackempfindlichkeit)
  • Ageusie (vollständiger Verlust des Geschmackvermögens)

Einteilung nach der Qualität
  • Parageusie (veränderte Wahrnehmung von Geschmackreizen)
  • Phantogeusie (Geschmackwahrnehmung in Abwesenheit einer Reizquelle)
  • Agnogeusie (wahrgenommener Geschmack kann nicht erkannt werden.)

Einteilung der Geschmacksstörung nach dem Ursprung

Epitheliale Geschmacksstörungen


Hier liegt die Schädigung im Bereich der Geschmackknospen auf der Zunge. Ursächlich können beispielsweise Infektionen, Strahlen-, Chemotherapie, M. Sjögren, atrophische Glossitis im Rahmen einer perniziösen Anämie, Eisenmangel oder eine Mundschleimhauterkrankung infrage kommen.
Aber auch Medikamente wie ACE-Hemmer können relativ häufig zu einer Hypo- beziehungsweise Parageusie mit einem metallischen Geschmack im Mund führen. Die Einnahme von Penicillamin oder des Antimykotikums Terbinafin kann zu Dysgeusien führen.


Nerval bedingte Geschmacksstörungen


Diese Störungen können bei einer Läsion der Hirnnerven VII, IX oder X vorliegen. Bei Operationen können die Chorda tympani (Operationen im Bereich der Paukenhöhle des Mittelohres), der N. lingualis (Lokalanästhesie bei zahnärztlicher Behandlung) und der N. glossopharyngeus (Tonsillektomie, d.h. Gaumenmandelentfernung) geschädigt werden. Aber auch demyelinisierende Erkrankungen (Entmarkungskrankheit des Zentralnervensystems), Neuritiden (Nervenentzündungen) und Diabetes mellitus können für nervale Störungen verantwortlich sein. Eine Hypogeusie liegt bei Diabetes mellitus Typ I in 40% und bei Typ II in 33% der Fälle vor.


Zentrale Geschmacksstörungen


Sie treten bei Störungen im Bereich der Geschmackbahn des Gehirns auf. Verantwortlich sind unter anderem intrakranielle Tumoren (im Schädelinneren), Depressionen, Schizophrenie und neurodegenerative Erkrankungen. Als Folge von Schädel-Hirn-Traumen kommt es in 0,5 % der Fälle zu einer zentralen Hypo- beziehungsweise Ageusie.


Gezielte Diagnostik

Anamnese


In unserer HNO-Praxis in Hamburg Langenhorn führen wir am Anfang der Diagnostik eine genaue Anamnese durch. Gezielt zu erfragen sind die Gechmacksgrundqualitäten (süß, sauer, salzig, bitter), der vermutete Auslöser, die begleitenden Symptome sowie relevante Erkrankungen (internistische und neurologische Systemerkrankungen), Schädel-Hirn-Traumen, Medikamente, Noxen und Operationen (insbesondere im Ohr-/Mundbereich), aber auch das Riechvermögen.


HNO-Spiegeluntersuchungen sowie Endoskopie


Obligater Bestandteil der Basisuntersuchung ist die HNO-ärztliche Untersuchung der Mundschleimhäute sowie der Zunge, Erhebung des Zahnstatus sowie der Endoskopie von Nasen- und Nasenrachenraum. Dem schließen sich überschwellige Screening-Tests des Geschmackvermögens an. Bei der Geschmackstestung ist die Erkennungsschwelle für die Wahrnehmung der Geschmacksgrundqualitäten zu dokumentieren.


Geschmackstestung mittels Drei-Tropfen-Methode


Zur Prüfung des Gesamtgeschmacksvermögens werden durch Kau- und Schluckbewegungen die Geschmacksstoffe auf alle gustatorischen Areale der Mundhöhle sowie des Schlundes verteilt und diese stimuliert. Hierfür wenden wir die "Drei-Tropfen-Methode" nach Henkin zur Bestimmung der Erkennungsschwelle für Saccharose-, Zitronensäure-, Kochsalz- und Chinin-hydrochloridlösungen an.
Die zunächst unterschwellige Geschmacksstoffkonzentration wird so lange gesteigert, bis der Patient von drei Tropfen denjenigen mit dem Geschmacksstoff erkennen und die Geschmacksqualität auch richtig benennen kann.
Dieser Geschmackstest prüft die gustatorische Leistung einzelner Gebiete. Besondere Bedeutung hat er zur Untersuchung der Versorgungsgebiete der Chorda tympani (vordere zwei Drittel der Zunge), des N. glossopharyngeus (hinteres Drittel der Zunge) und des N. petrosus major (weicher Gaumen).

Bildgebende Verfahren

Vielfach allein durch die klinische Untersuchung (Inspektion, Palpation, bei Tumorverdacht ggf. Biopsie oder Probeexzision) lässt sich die Diagnose von Geschmacksstörungen sichern. Bildgebende Verfahren spielen deswegen eine untergeordnete Rolle. Dennoch gibt es bei verschiedenen Fragestellungen (z. B. Tumor, aber auch ausgedehntere entzündliche Erkrankungen) Indikationen für eine ergänzende radiologische Untersuchung wie Ultraschall, Computertomografie und Magnetresonanztomografie.

Ultraschall

Mit dem Ultraschall lassen sich Mundboden und Zunge schonend untersuchen. Hierfür überweisen wir zu einem Radiologen und besprechen nach Erhalt des Ergebnisses den Befund und planen entsprechend die notwendige Therapie.

Computertomografie und Magnetresonanztomografie
 

Im Vergleich zur Ultraschalluntersuchung sind die Computertomografie und Magnetresonanztomografie nicht nur kostenintensive sondern auch (bei Verwendung von Kontrastmittel) invasivere Verfahren und sollten nur bei folgenden Indikationen durchgeführt werden:
 

  • ausgeprägte entzündliche Veränderungen
  • Tumoren: vor allem im Bereich der Zunge und des Mundbodens sind Informationen zur Tumorausdehnung, der Tiefeninfiltration und der Mittellinienüberschreitung wichtige Parameter für die  Wahl der adäquaten Therapie.